Expertise

  • Lexikologie
  • Vergleichende Sprachwissenschaft
  • Dialektologie

Interessant für

  • Vogelbegeisterte
  • Linguist*innen
  • Kulturwissenschaftler*innen

Interview mit Dr. Kerstin Richter

Die aus dem oberbayerischen Waldkraiburg stammende Kerstin Richter war nach ihrem Studium der Anglistik und Romanistik unter anderem als Übersetzerin, Dolmetscherin und Bibliothekarin tätig. Seit dem Wintersemester 2018/19 arbeitet sie als Dozentin für Englische Sprachwissenschaft und Sprachmittlung an der Universität Regensburg. Ihre Promotion schloss Kerstin Richter im Februar 2019 ab.

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Arthur Höring
Redakteur

Welche Aussagen über Sprachwandel lässt der Vergleich von Vogelnamen grob zusammengefasst zu?

Kerstin Richter
Doktorandin

Noch bis vor ca. 150 Jahren war das Wortfeld der Vogelnamen sozusagen eine blühende Landschaft. Durch regionale Varianten konnte eine einzelne Vogelart allein z. B. in Bayern mehr als fünfzehn verschiedene Bezeichnungen tragen. Durch den Einfluss moderner Ornithologie und den Zugang zu vogelkundlicher Literatur für jedermann haben sich die lexikalischen Varietäten erheblich reduziert.

Arthur Höring
Redakteur

Würde man mich als Maßstab nehmen, wäre das Wissen der Alltagsbevölkerung rund um Vogelkunde vermutlich nicht besonders ausdifferenziert. In welcher Wechselwirkung stehen ornithologische Erkenntnisse und der gemeine Sprachgebrauch?

Kerstin Richter
Doktorandin

Vogelbezeichnungen wurden früher meist innerhalb der Familie und am direkten Anschauungsobjekt weitergegeben. Das heißt im Prinzip, dass früher der Großvater dem Enkel z. B. beim Pilzesuchen erklärt hat, welcher Vogel da gerade singt. Mittlerweile haben verschiedene soziale und ökologische Einflussfaktoren die Verwendung regionaler Vogelbezeichnungen stark eingeschränkt. Heute fehlt es nicht nur an der Artenvielfalt, sondern oftmals auch an gemeinschaftlichen Erlebnissen in der freien Natur.

Arthur Höring
Redakteur

Gibt es nach der Vollendung deiner Dissertation eine Richtung, die du den zukünftigen sprachlichen Umgang mit Vogelnamen am liebsten einschlagen sehen würdest?

Kerstin Richter
Doktorandin

Natürlich kann man nicht erwarten, dass sich ein bereits ausgestorbener Wortschatz wieder spontan regeneriert. Es hat sich aber auch gezeigt, dass unsere Sprache im Bereich der Vogelkunde durchaus weiterhin kreativ sein kann. Spontan fallen mir z. B. die erstmals erhobenen Bezeichnungen „Kasperlvogel“ bzw. im Englischen „Clownfinch“ für den Stieglitz ein, die dessen buntes Vogelkleid auf humorvolle Weise beschreiben. Meine Arbeit konserviert also nicht nur Vergangenes, sondern konnte auch Neues entdecken.