Expertise

  • Kunst
  • Medien
  • kulturelle Bildung

Interessant für

  • Liebhaber des Unwägbaren
  • interdisziplinäre Forscher
  • Subversionsromantiker

Interview mit Dr. Susanne Ristow

Susanne Ristow ist interdisziplinär tätige Künstlerin, Museologin und Medienwissenschaftlerin. Zeichnung, Grafik, Malerei, Video, Performance, Installation, Skulptur, Artistic Research – sie selbst fasst alle Disziplinen zu dem Begriff BILDNEREI zusammen.
Die Düsseldorfer Künstlerin ist weltweit nicht nur mit Ausstellungsprojekten präsent, sondern auch als leidenschaftliche Kunstvermittlerin.
In großen Zeichenzyklen wie der „Agitatorischen Zeichnung“, den „Einsamen Helden“, dem „Adonis Depot“, „Infectious Basterds“, „Viral Love“ oder „Tricksters“ erprobt sie die infektiösen wie partizipativen Möglichkeiten von Bildern, Texten und Aktionen im öffentlichen Raum. In Performancevorträgen und Interaktionen mit Kollaborateuren entwickelt sie mithilfe der Denkfigur des Virus komplexe Zusammenhänge zwischen Kunst und Wissenschaft.

Expertise

  • Kunst
  • Medien
  • kulturelle Bildung

Interessant für

  • Liebhaber des Unwägbaren
  • interdisziplinäre Forscher
  • Subversionsromantiker
Arthur Höring
Redakteur

Du betrachtest das Virus aus unterschiedlichen Perspektiven. Gibt es ein wiederkehrendes Motiv, das du dabei erkennen konntest?

Susanne Ristow
Doktorandin

Ein wiederkehrendes Motiv bei der interdisziplinären Rede vom Virus ist die symbolträchtige Aufhebung jeglicher Grenzen zwischen biologischer und technologischer Sphäre. Kulturelle und natürliche Evolution sollen nach diesen Vorstellungen ununterscheidbar werden. Eine Tendenz, die man durchaus kritisch betrachten darf.

Arthur Höring
Redakteur

Infektionen, Fremd- und Wirtskörper – isoliert betrachtet wirkt dieses Vokabular eher beunruhigend. Wie erklärst du dir, dass das Konzept der Viralität trotzdem einen solchen Einfluss nehmen konnte?

Susanne Ristow
Doktorandin

Das Konzept Virus und das damit verbundene Vokabular ist zunächst einmal alarmistisch angelegt. Es verhält sich ähnlich wie mit vielen Risikoszenarien der Moderne, die Menschen überzeugen sollen, an einer radikalen Umgestaltung der Welt in grenzöffnenden Projekten wie Globalisierung und Digitalisierung mitzuwirken. Angesichts der verheerenden Auswirkungen, die permanente Angstszenarien mit sich bringen können, schien es mir an der Zeit, auf die affirmativen Aspekte des Virendiskurses hinzuweisen und zu untersuchen, ob es nicht schon früh, beispielsweise von Künstlern des Dadaismus oder Fluxus bemerkte „virale Potentiale“ zur Mutation und Rekombination gibt – das  Stichwort dabei ist „Virolution“. Daher wird das Virus, anders als das Bakterium, zum Inbegriff für Veränderung.

Arthur Höring
Redakteur

OpenD bietet die Möglichkeit Dissertationen über soziale Netzwerke zu teilen. Wie würdest du reagieren, wenn deine Doktorarbeit morgen „viral“ gehen würde?

Susanne Ristow
Doktorandin

Viralität in den sozialen Netzwerken erfordert Kürze, Schockelemente, Witz und eine gelungene Bild-Text-Kombination, daher sind ausführliche Dissertationen mit ihrem Anspruch auf wissenschaftliche Ernsthaftigkeit per se leider ungeeignet für den viralen Hit. Und stupides Kopieren hat wiederum nichts mit den Kriterien des Viralen zu tun, sondern ist nach wie vor ein simples Plagiat und wird entsprechend behandelt. Interessant wird die virale Übergriffigkeit erst durch Kopierfehler und rasante Mutationen, die zu Eigenart und Neubildung führen können. Insofern würde es mich freuen, ansteckende Wirkung zu haben!