Der schmale Grat zwischen Inklusion und Stigmatisierung von gesundheitlich beeinträchtigten Menschen bei ihrer beruflichen Teilhabe

Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Veneta Slavchova

Dr. phil. Veneta Slavchova hat an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen) ihren Bachelor Psychologie und an der FernUniversität Hagen den Master Psychologie abgeschlossen. Es folgte ihre Promotion am Lehr- und Forschungsgebiet Gesundheitspsychologie (vormals: Berufliche Rehabilitation) der RWTH Aachen. Im Jahre 2021 promovierte sie mit summa cum laude. Im Rahmen ihrer Beschäftigung am Lehr- und Forschungsgebiet Gesundheitspsychologie ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation verschiedener Projekte im Gesundheits- und Sozialbereich betraut.

Auf einen?

Expertise

  • (berufliche) Inklusion gesundheitlich beeinträchtigter Menschen
  • Gesundheits- und Organisationspsychologie
  • Methodenkompetenz (Studienplanung und -umsetzung, statistische Auswertung)

Interessant für

  • Inklusionsforscher*innen
  • Menschen ohne und mit gesundheitlicher Beeinträchtigung
  • Arbeitgeber*innen
Veneta Slavchova

Dr. phil. Veneta Slavchova hat an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen) ihren Bachelor Psychologie und an der FernUniversität Hagen den Master Psychologie abgeschlossen. Es folgte ihre Promotion am Lehr- und Forschungsgebiet Gesundheitspsychologie (vormals: Berufliche Rehabilitation) der RWTH Aachen. Im Jahre 2021 promovierte sie mit summa cum laude. Im Rahmen ihrer Beschäftigung am Lehr- und Forschungsgebiet Gesundheitspsychologie ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation verschiedener Projekte im Gesundheits- und Sozialbereich betraut.

Auf einen?

Expertise

  • (berufliche) Inklusion gesundheitlich beeinträchtigter Menschen
  • Gesundheits- und Organisationspsychologie
  • Methodenkompetenz (Studienplanung und -umsetzung, statistische Auswertung)

Interessant für

  • Inklusionsforscher*innen
  • Menschen ohne und mit gesundheitlicher Beeinträchtigung
  • Arbeitgeber*innen

Interview

Niklas Heuser
Redakteur

Welches Problem oder welche Frage hat dich auf dein Dissertationsthema gebracht?

Veneta Slavchova
schreibt…
Niklas Heuser
Redakteur

Welches Problem oder welche Frage hat dich auf dein Dissertationsthema gebracht?

Veneta Slavchova
Doktorandin

Ich habe mich für sozialpsychologische Wahrnehmungsprozesse und deren Auswirkungen auf unser alltägliches Leben beschäftigt. Grundlegend ist in diesem Rahmen: wer bin ich, wie ordne ich mich zu anderen Menschen ein und wie nehme ich Personen oder Gruppen wahr, die mir ähnlich sind bzw. mit denen ich wenig Gemeinsamkeiten habe.
Insbesondere aus der beruflichen Rehabilitation heraus habe ich viele Erfahrungswerte mit körperlich behinderten und psychisch erkrankten Menschen gesammelt. Daher wusste ich um die Herausforderungen dieser Zielgruppe bei der beruflichen Inklusion.
Mit meiner Dissertation habe ich mich diesem Widerspruch zwischen sozialpsychologischen Theorien und dem Inklusionsbegriff angenähert und empirisch untersucht, welche Erfolgsfaktoren einen positiven Beitrag für die Begegnung zwischen Menschen ohne und mit gesundheitlichen Beeinträchtigung leisten können.

Niklas Heuser
Redakteur

Welchen Ausblick, sei er wissenschaftlich oder gesellschaftlich, würdest du aus deiner Arbeit ableiten?

Veneta Slavchova
Doktorandin

Die Ergebnisse meiner Dissertation sind gesellschaftlich hoch relevant. Ich konnte zeigen, dass Inklusion von beiden Seiten aus keine Selbstverständlichkeit ist. Eine große Herausforderung ist die nach wie vor existierende Unsicherheit bei der Begegnung. Gerade im Arbeitskontext gibt es viel Unwissenheit, welche konkreten, beruflich relevanten Auswirkungen die verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach sich ziehen.
Erfreulicherweise gibt es aber Strategien, mit denen die Inklusion unterstützt werden kann. So erweist sich die Kommunikation über die Beeinträchtigung als mächtiges Werkzeug im Berufskontext. Auch wenn es sicherlich viele Informationsangebote im Internet gibt, ist jeder gesundheitlich beeinträchtigte Mensch individuell und benötigt passgenaue Unterstützung, um am Berufsleben teilhaben zu können. Daher profitieren beide Seiten von einem bewussten Austausch über die gesundheitliche Einschränkung.

Niklas Heuser
Redakteur

Welchen konkreten Impact würdest du dir für deine Dissertation wünschen?

Veneta Slavchova
Doktorandin

Ich wünsche mir, dass die Ergebnisse meiner Dissertation dafür dienen können, das gegenseitige Verständnis von Menschen ohne und mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu fördern. Auf Basis der Dissertation liegen Handlungsstrategien vor, die die Selbstreflexion und das Bewusstsein von psychologischen Wahrnehmungsprozessen im Kontext von Inklusion und der Bewertung von Ähnlichem und Unterschiedlichen schärfen können.
Körperliche Behinderungen und psychische Erkrankungen sollten weiter enttabuisiert werden und dahingehend normal sein, dass man hierüber in Kontakt geht und auf Augenhöhe ein gemeinsames Verständnis über ein gelungenes zwischenmenschliches Miteinander entwickelt. Das ist für mich eine erfolgreiche Inklusion.

Schlagworte

Inklusion, Sozialpsychologie, Stigma, berufliche Teilhabe, gesundheitliche Beeinrächtigung, health impairment, inclusion, körperliche Behinderung, mental illness, physical disability, psychische Erkrankung, social psychology, stigma, vocational participation

Zusmmenfassung

Gesundheitlich beeinträchtigte Menschen mit einer körperlichen Behinderung und/ oder psychischen Erkrankung haben einen gesetzlich zugesicherten Anspruch auf die gleichberechtigte Teilhabe an Gesellschaft und Beruf. Es stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, inwieweit entsprechende Gleichberechtigung in der Realität gelebt wird. Wird dieser Zustand erreicht, so spricht man von Inklusion im Sinne einer völligen Normalität von Vielfalt.

Sozialpsychologisch gesehen wird Inklusion jedoch durch Gruppenbildungsprozesse zwischen Menschen ohne und mit gesundheitlicher Beeinträchtigung erschwert. Solche Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse sind auch für den Arbeitskontext relevant und können damit die beruflichen Teilhabe körperlich behinderter und psychisch erkrankter Menschen erschweren.

Die Dissertation zielt in diesem Rahmen darauf ab, zu klären, welche Faktoren das Gelingen von Inklusion positiv oder negativ beeinflussen können. Zur empirischen Untersuchung der Thematik greift die Dissertation einen multiperspektivischen Ansatz in Form von sechs Studien auf.

Die Online-Studien A bis D beschäftigen sich mit der Wahrnehmung nicht beeinträchtigter Studienteilnehmer*innen hinsichtlich der Inklusion. Inhaltlich wurde beispielsweise die Bedeutung der Qualifikation gesundheitlich beeinträchtigter Bewerber*innen, die Vermittlung einschränkungsrelevanter Informationen, die Generalisierbarkeit der Inklusionsbereitschaft und die Relevanz des Offenbarungs- bzw. Kommunikationszeitpunktes bzgl. einer gesundheitlichen Beeinträchtigung überprüft. Aus methodischer Sicht wurde eine Mischung aus experimentellen Szenarien im Kontext der Personalauswahl, teststatistisch validierten Skalen zu inklusionsförderlichen (z.B. Motivation zu vorurteilsfreiem Verhalten) und inklusionshemmenden (z.B. Autoritarismus) Konstrukten umgesetzt. Um die Reaktionen der Befragten besser verstehen zu können, rundeten qualitative Abfragen das Bild ab.

Die Online-Studien E und F fokussierten auf das Erleben von Inklusion aus Sicht körperlich
behinderter und psychisch erkrankter Studienteilnehmer*innen. Damit die berufliche Inklusion hinsichtlich (Miss-)Erfolgsfaktoren genauer verstanden werden kann, rückten in den Studien E und F das soziale Netzwerk der Betroffenen sowie Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe für das Gelingen beruflicher Inklusion in den Fokus.

Als zentrales Ergebnis der Dissertation lässt sich festhalten, dass die Inklusion keine Selbstverständlichkeit ist. Vielmehr wird der Erfolg von Inklusion in jeder Interaktion zwischen gesunden und gesundheitlich beeinträchtigten Personen neu entschieden. Es zeigt sich, dass Menschen ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen nach wie vor Unwissenheit bzw. Unsicherheit bezüglich körperlicher Behinderungen und psychischer Erkrankungen haben. Dies umfasst beispielsweise Unklarheiten darüber, wie sich entsprechende gesundheitliche Beeinträchtigungen konkret im Berufsalltag auswirken und wie der "richtige" Umgang ausgestaltet sein sollte.

Der größte Hebel zur Überwindung von Unwissenheit bzw. Unsicherheit sind passgenaue Informationen. Darüber hinaus spielt aus psychologischer Sicht die individuelle Haltung und Persönlichkeit beider Gruppen eine wesentliche Rolle für die Bewertung und das Gelingen des Inklusionsgeschehens. Auf Basis der entsprechender Ergebnisse werden Handlungsempfehlungen für gesunde und körperlich behinderte bzw. psychisch erkrankte Menschen abgeleitet.

Zitiervorschlag

Slavchova, Veneta. „Der schmale Grat zwischen Inklusion und Stigmatisierung von gesundheitlich beeinträchtigten Menschen bei ihrer beruflichen Teilhabe“. Dissertation, Bd. Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, RWTH Aachen University, 2021, S. pages 1 Online-Ressource : Illustrationen, Diagramme. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.18154/RWTH-2022-00276.

Repository

publications.rwth-aachen.de/

Identifikatoren

urn:nbn:de:101:1-2022020102430338409532

doi: 10.18154/RWTH-2022-00276

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