Doktortitel

Erfahre mehr über den Doktortitel: Ab wann darf man ihn führen? Für was steht er eigentlich? Ist er international übertragbar?
Adrian Richter

Der Doktortitel ist der höchste akademische Grad, den man in Deutschland erreichen kann. Man darf ihn rechtlich erst nach der erfolgreich abgeschlossenen Promotion, inklusive Veröffentlichung der Dissertation, tragen. Die meisten Unis erlauben den Promovierenden bereits nach dem Einreichen der Arbeit und vor der Publikation das Führen des Titels Dr. des. (doctor designatus), hier lohnt allerdings eine Nachfrage bei den jeweiligen Promotionsbüros.

Der Titel dient als Bescheinigung über die Leistung eines originellen Beitrags zur gewählten Fachrichtung und über die Fähigkeit des selbstständigen wissenschaftlichen Arbeitens. In den Naturwissenschaften betrifft das in der Regel die Durchführung von Versuchen. Bei Geisteswissenschaftlern ist es die Bestätigung darüber, dass sie eigenständig wissenschaftliche Recherche betreiben und Texte verfassen können. Bei Medizinern wird der Titel oft mit dem Beruf gleichgesetzt, obwohl er für Fach- oder Hausärzte keine Bedingung ist.

Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass die Promotion in der Medizin und den Naturwissenschaften den Regelfall darstellt. Biologie hatte in den letzten Jahren die höchste Promotionsquote aller Fächer (86,2 %). In den Geisteswissenschaften beginnen im Durchschnitt etwa ein Viertel oder weniger der Masterabsolventen mit der Promotion und in künstlerischen Studiengängen (z. B. Architektur oder Design) ist Promovieren absoluter Ausnahmefall.

Gesellschaftlich spiegelt der Doktortitel die akademische Bildung, die an einer anerkannten Institution erworben wurde, wieder. Prinzipiell ist er Voraussetzung für die Habilitation. Es ist möglich, ohne Doktor eine Professur anzutreten, kommt aber sehr selten vor.

Ein deutscher Doktortitel wird leider nicht automatisch im Ausland, z. B. als PhD, anerkannt. Andersherum kann ein im Ausland erworbener Titel auch nicht einfach in einen deutschen Doktortitel umgewandelt werden. Für die Regelung der gegenseitigen Anerkennung gibt es Äquivalenzabkommen, die Deutschland mit 15 Staaten geschlossen hat. Außerdem gibt es Regelungen, die für die gesamte europäische Region gelten. Grundsätzlich muss ein Antrag auf Prüfung des Titels gestellt werden, bei dem ermittelt wird, ob der ausländische dem deutschen Titel gleichwertig ist.