Expertise

  • Gerechtigkeitspsychologie
  • Psychologie der Nachhaltigkeit
  • Freiwilligenarbeit (Motivation und Gestaltung)

Interessant für

  • alle, die am Thema Nachhaltigkeit interessiert sind
  • Freiwilligenorganisationen im Bereich Nachhaltigkeit
  • alle, die sich mit menschlichen Motiven beschäftigen

Interview mit Dr. Isabel Strubel

Isabel Theresia Strubel studierte mit einem Stipendium des Max Weber-Programms in Eichstätt und Straßburg Psychologie, Mathematik und Französisch für das Lehramt am Gymnasium. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Princeton University promovierte sie, gefördert durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes, in Eichstätt. Parallel dazu arbeitete sie an mehreren sozialpsychologischen Forschungsprojekten zur Freiwilligenarbeit und zu Gerechtigkeitswahrnehmungen sowie in der universitären Lehre mit.

 

Expertise

  • Gerechtigkeitspsychologie
  • Psychologie der Nachhaltigkeit
  • Freiwilligenarbeit (Motivation und Gestaltung)

Interessant für

  • alle, die am Thema Nachhaltigkeit interessiert sind
  • Freiwilligenorganisationen im Bereich Nachhaltigkeit
  • alle, die sich mit menschlichen Motiven beschäftigen
Arthur Höring
Redakteur

Gibt es eine Wechselwirkung zwischen Gerechtigkeit und Verantwortung oder bestehen diese beiden Motive unabhängig voneinander?

Isabel Strubel
Doktorandin

Gerechtigkeitsmotive wirken sich aus meiner Sicht vor allem darauf aus, ob Verantwortung übernommen oder abgelehnt wird. Dabei spielen jedoch Kontrollüberzeugungen, d. h. die Vorstellungen darüber, inwieweit man selbst wirkungsvoll etwas tun kann, eine wichtige Rolle: Wenn Menschen, die ein starkes Gerechtigkeitsmotiv und damit einen starken Wunsch nach Gerechtigkeit haben, ungerechte Situationen erleben und gleichzeitig zur Einschätzung kommen, dass sie der Ungerechtigkeit effektiv entgegenwirken können, fördert dies, dass sie Verantwortung übernehmen und entsprechend handeln. Gewinnen sie jedoch den Eindruck, dass sie ohnehin kaum etwas an der Ungerechtigkeit ändern können, ist es gerade bei stark gerechtigkeitsmotivierten Menschen wahrscheinlich, dass sie die Verantwortung abwehren, indem sie die Situation umdeuten und die Ungerechtigkeit leugnen. Dies ermöglicht es ihnen, ihren Glauben, dass es auf der Welt gerecht zugeht, zu schützen, verhindert aber verantwortungsvolles Handeln.  Aufgrund dieser Zusammenhänge halte ich die gemeinsame Betrachtung von Verantwortung und Gerechtigkeit für besonders gewinnbringend. 

Arthur Höring
Redakteur

Die Bereitschaft von Menschen sich nachhaltigerem Konsum zu widmen, könnte auch für Werbestrategien ausgenutzt werden. Welche Erfahrungen hast du mit der Instrumentalisierung dieser Bereitschaft für kommerzielle Zwecke gemacht?

Isabel Strubel
Doktorandin

Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass Händler und Produzenten „greenwashing“ oder „fairwashing“ betreiben. Das heißt, dass sie ökologisch erzeugte und fair gehandelte Produkte nutzen, um ein positives Image zu erhalten und gleichzeitig ihre ansonsten unfairen Geschäftspraktiken aufrechtzuerhalten. Wenn wirklich viele Kunden mit nachhaltig erzeugten Produkten erreicht werden sollen, ist der Weg in den Mainstream, d. h. in die Supermärkte und auch Discounter aber nötig und eine stückweise Umstellung von Produktion und Sortiment realistisch.
Um eine Instrumentalisierung der Bereitschaften zu nachhaltigem Konsum zu vermeiden, wäre es aus meiner Sicht wichtig, zusätzliche verlässliche und obligatorische Kennzeichnungen für die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Produkte zu etablieren. Im Idealfall würde man diese externalen Kosten soweit wie möglich in die Produkte einpreisen, so wie es im Fall einer CO2-Steuer zum Teil geschieht. Entsprechende gesetzliche Regelungen würden auch vermeiden helfen, dass die Bereitschaft eines Teils der Bevölkerung, nachhaltig zu handeln, zugunsten aller ausgenutzt wird. Die Befunde weisen sogar darauf hin, dass die Akzeptanz solcher Regelungen höher sein dürfte, als oft befürchtet wird.

Arthur Höring
Redakteur

Wie würdest du den Einfluss deiner Arbeit auf deine eigene Wahrnehmung von Nachhaltigkeit letztendlich beschreiben?

Isabel Strubel
Doktorandin

Die Ergebnisse meiner Arbeit haben mir gezeigt, dass Gerechtigkeit und Verantwortung den meisten Menschen wichtig sind, und dies sogar im Handlungsfeld Konsum, in dem Kosten-Nutzen-Überlegungen eine besonders große Rolle spielen. Damit haben sie mich in der Überzeugung bestärkt, dass es durchaus möglich ist, eine nachhaltigere Lebensweise auf breiter Basis zu etablieren. Sie haben mir aber auch gezeigt, dass es sinnvoll wäre, mehr gesetzliche Regelungen in dem Bereich zu treffen, auch wenn sie mit Verboten und Belastungen verbunden wären. Denn eine vollständige Privatisierung nachhaltigen Handelns erscheint mir problematisch. Es ist weder gerecht noch besonders wirksam, wenn nachhaltigkeitsförderliches Handeln allein auf Freiwilligkeit beruht. Denn das ermöglicht, dass Menschen von den Bemühungen anderer profitieren, ohne selbst etwas beizutragen. Gerade weil die Verantwortungsübernahme so sehr von Kontrollüberzeugungen und Gerechtigkeitswahrnehmungen abhängt, ist das vermutlich nicht dauerhaft tragfähig.
Darum halte ich Engagements im Bereich des nachhaltigen Konsums für besonders wichtig, da diese über den privaten Konsum hinausgehen und versuchen einen Normwandel zu bewirken, der nachhaltiges Handeln auch in der Breite fördert. Das könnte sich idealerweise auch zukünftig in einer stärkeren gesetzlichen Verankerung dieser Ziele niederschlagen. Die Befunde sprechen dafür, dass die Bedingungen günstig für das Gelingen eines solchen Normwandels sind.