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  • Geschichte
  • Ethnologie
  • Horn von Afrika insbes. Äthiopien, Eritrea, Sudan und Süd-Sudan

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Interview mit Dr. Alexander Meckelburg

Alexander Meckelburg studierte Politikwissenschaft und Äthiopistik an der Universität Hamburg. Seine Magisterarbeit führte ihn 2005 und 2006 für mehrere Monate nach Westäthiopien in die Region Gambella. Dabei beschäftigte er sich mit den Auswirkungen von Umsiedlungsprogrammen während des Bürgerkriegs in den 1980er Jahren und deren Effekt auf die interethnischen Beziehungen im multiethnischen Gambella.  2010 begann er seine Doktorarbeit und war gleichzeitig Mitarbeiter am Hiob Ludolf Zentrum für Äthiopistik und im Herausgeberteam der „Encycloapedia Aethiopica“ (EAE) tätig.
Die Promotion führte ihn über mehrere Jahre zu längeren Forschungsaufenthalten in die westäthiopischen Regionen Benishangul-Gumuz, (West-)Oromia und zurück nach Gambella. Nach der Promotion war Meckelburg Gastwissenschaftler an der Katholischen Universität in Ostafrika in Nairobi, Kenia. Seit 2017 ist er Postdoc am Hiob Ludolf Zentrum für Äthiopistik und forscht zur Geschichte der Sklaverei in Äthiopien und Ostafrika. Im Moment arbeitet er eng mit dem Institute for Ethiopian Studies in Addis Ababa zusammen und entwickelt mit äthiopischen Kolleg*innen Forschungsfragen rund um die Sklaverei, den Sklavenhandel und deren historische Kontinuität im Bezug zu Fragen von Migration und (Zwangs-)Arbeit etc. in Äthiopien, Sudan und der Region des Roten Meers weiter.

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Arthur Höring
Redakteur

Du hast deinen Fokus auf Mao und Komo gelegt. Wie kam es dazu, gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Gruppen?

Alexander Meckelburg
Doktorand

Als ich 2005 und 2006 in Gambella war, wollte ich mir auch einen Überblick über alle ethnischen Gruppen der Region verschaffen und einige Geschichten sammeln, um die Beziehungen zwischen den Gruppen besser zu verstehen. Ich fand damals, die Komo spielten in der gewachsenen politischen Ordnung eine überraschend geringe Rolle. Es war seinerzeit interessant zu sehen, dass einige Gruppen sogar die Identität der Komo als eigene Gruppe anzweifelten. Die Komo sind tatsächlich eine Minorität, aber genauso teilweise in andere Gruppen integriert bzw. assimiliert. Dieser Umstand hat mich einige Jahre später zurück auf die Spur dieser Minderheitsgruppe gebracht. In Benishangul-Gumuz einem weiteren Bundesland war 1995 der sogenannte Mao-Komo woreda, also ein eigener Distrikt entstanden. Das war quasi das ethnische Territorium dieser Minderheiten. Dieses territoriale Konstrukt zeigt bereit die Verbindung zwischen beiden Gruppen. Mao bezeichnet allerdings bis zu sechs omotische und nilosahranische Sprachgruppen, die außerhalb des Mao-Komo Distrikts versprengt in drei Bundesländern und teilweise im Sudan leben. Die historischen Erfahrungen dieser Gruppen mit dem Staat und wie aus verschiedenen Gruppen diese „Mao-Komo“ wurden, kann man teilweise in meiner Diss nachlesen.

Arthur Höring
Redakteur

Die Vielfalt der ethnischen Gruppen in Westäthiopien ist sehr groß. In welchem Maß war es für dich notwendig, bestehende Beziehungen zwischen diesen Gruppen nachzuvollziehen, um einen passenden Zugang zu den Mao und Komo zu erlangen?

Alexander Meckelburg
Doktorand

Diese Zusammenhänge erklären im Prinzip alles. Während Äthiopien im Ganzen etwa achtzig ethnische Gruppen beheimatet, sind es in meiner Forschungsregion sechzehn. Aber wie gesagt, nicht alle Gruppen werden als eigene Gruppen wahrgenommen und sind bis heute politisch stark marginalisiert. Deren historische Erfahrungen mit den größeren Nachbarethnien, sei es durch Marginalisierung, Assimilierung oder Integration, birgt meines Erachtens den Schlüssel zu den heutigen interethnischen Beziehungen und den Beziehungen, die Minoritäten mit dem Staat aufnehmen können. Eine These meiner Arbeit ist, dass Staatsbürgerschaft in Äthiopien eine territoriale und historische Komponente hat. Diese Komponenten hängen aber vom lokalen Machtgefüge ab und werden durch Mehrheitsgruppen mitbestimmt.  

Arthur Höring
Redakteur

Äthiopische oder, etwas breiter gefasst, afrikanische Geschichte nimmt nur einen sehr kleinen Raum in unserer europäisch geprägten Wahrnehmung ein. Welchen Erfahrungsgewinn aus deiner Auseinandersetzung mit diesem Thema schätzt du am meisten oder würdest du am liebsten teilen?

Alexander Meckelburg
Doktorand

Zum Glück gibt es ja allerhand bedeutende Institute, die dem Eurozentrismus entgegenarbeiten. Es geht eben in meiner Dissertation auch einfach um Menschheitsgeschichte und insbesondere um Multi-Kulturalismus, interethnische Beziehungen und deren politische Steuerung. Wir sehen ja heute in Europa ‚Kultur‘ auch immanent mit politischen Herausforderungen verknüpft. Wie viel eigene Kultur darf heute ein Migrant in Deutschland haben, damit er nicht als zu einer Parallelgesellschaft gehörend verunglimpft wird? Äthiopien und viele afrikanische Länder sind in diesen Fragen oft viel weiter. Aber, und das zeigt eben meine Arbeit, Minderheitenschutz kann auch in Afrika eine große Herausforderung sein.

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Alexander Meckelburg
Auf einen?
du

Na klar, sehr gerne.