Was hast du da eigentlich gemacht in deiner Doktorarbeit?

Jährlich vergibt die Klaus Tschira Stiftung den KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation an Promovierte der Naturwissenschaften. Im Gespräch dazu mit Renate Ries und Dr. Michelle Wabnitz.
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Diese scheinbar einfache Frage kann herausfordernder sein als man denkt. Nach all den Jahren in der Forschung hat man sich an die Fachtermini und Abkürzungen, mit denen man tagtäglich zu tun hat, gewöhnt. „Wenn man seine Forschungsthemen Fachfremden erklärt, dauert es meist länger und man muss viel weiter ausholen“, hört man von vielen Wissenschaftler*innen. Das ist wohl wahr, doch ist es fundamental wichtig, die Gesellschaft nicht außen vor zu lassen und Erkenntnisse und Ergebnisse mit ihr zu teilen, um Aufklärung und Akzeptanz zu erreichen. Damit die Weitergabe von Wissen gelingt, muss sie auf verständliche Weise geschehen. Und genau diese Fähigkeit belohnt der KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation, den die Klaus Tschira Stiftung einmal jährlich in sieben Fachrichtungen (Biologie, Chemie, Physik, Neurowissenschaften, Geowissenschaften, Mathematik und Informatik) ausschreibt.

Seit 1995 setzt sich die Klaus Tschira Stiftung für die Förderung der Naturwissenschaften und ihrer Wertschätzung ein. Der KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation wird seit den 90er-Jahren verliehen, seit 2017 unter diesem Namen. Die Bewerbung steht allen Promovierenden der genannten Fächer oder angrenzender Fachgebiete offen, die ihre Doktorarbeit in den letzten beiden Jahren verteidigt haben.

„Was du deiner Großmutter nicht erklären kannst, hast du wohl selbst nicht verstanden“, sagte der Physiker Klaus Tschira, Namensgeber und Gründer der Klaus Tschira Stiftung mit Sitz in Heidelberg. Es war ihm schon sehr früh ein Anliegen, dass Wissenschaftler*innen sich in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen.

Wir haben Renate Ries, Leiterin Kommunikation/Wissenschaftskommunikation, und Dr. Michelle Wabnitz, stellvertretende Projektleiterin des KlarText-Preises, nach genaueren Details zum Preis und dem Verständnis von Wissenschaftskommunikation der Klaus Tschira Stiftung befragt.

Hannah Pöhlmann
Redakteurin

Ganz allgemein: Was verstehen Sie in der Klaus Tschira Stiftung und beim KlarText-Preis unter Wissenschaftskommunikation?

Renate Ries
Interviewpartnerin

Wir verstehen darunter alles, was zum Thema Wissenschaft kommuniziert wird. Dabei sind verschiedene Gruppen aktiv: Forscher*innen kommunizieren untereinander, aber auch direkt mit der Öffentlichkeit. Und es wird über ihre Arbeit kommuniziert, beispielsweise von Pressestellen. Wissenschaftsjournalist*innen schließlich kommt die wichtige Aufgabe zu, eine Außenperspektive auf die Wissenschaft einzunehmen. Neben diesen klassischen Akteur*innen treten weitere, denn auch Blogger*innen und Youtuber*innen machen Wissenschaft natürlich zum Thema.

Hannah Pöhlmann
Redakteurin

Was ist die Motivation hinter der Vergabe des KlarText-Preises?

Michelle Wabnitz
Interviewpartnerin

Wissenschaft gehört in die Mitte der Gesellschaft. Die Klaus Tschira Stiftung setzt sich seit ihrer Gründung vor 25 Jahren für die Wissenschaftskommunikation ein, denn es sollen möglichst viele Wissenschaftler*innen dazu bewegt werden, ihre Forschung in die Öffentlichkeit zu tragen und mit Interessierten ins Gespräch zu kommen. Vor diesem Hintergrund hat die Klaus Tschira Stiftung auch das Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik) gegründet. In den Seminaren des NaWik erfahren Forschende, Wissenschaft verständlich zu vermitteln. Mit dem KlarText-Preis wollen wir frisch Promovierten eine Möglichkeit geben, sich auszuprobieren. Im besten Fall gehören sie zu den Preisträger*innen und ihr Beitrag erscheint im KlarText-Magazin, das der Wochenzeitung ZEIT beiliegt. Aber jede*r, der*die mitmacht, erhält die Möglichkeit, an einem zweitägigen Workshop zum Thema Wissenschaftskommunikation in Heidelberg teilzunehmen und sich dort bei Referent*innen des NaWik fortzubilden. Im Seminar wenden die Teilnehmer*innen das Gelernte gleich an und feilen an ihren Artikeln, die schlussendlich im KlarText-Blog eingestellt werden können.

Hannah Pöhlmann
Redakteurin

An wen richten sich die Artikel, die die Preisträger*innen verfassen?

Renate Ries
Interviewpartnerin

Die Artikel richten sich an die interessierte Öffentlichkeit und werden deshalb auch einer auflagenstarken Wochenzeitung beigelegt. Wir bekommen viel positives Feedback zu den Siegerbeiträgen, sowohl zu der starken Forschungsleistung, aber auch, und das freut uns natürlich am meisten, zur verständlichen Art und Weise, wie das Thema vermittelt wird. Das Interesse ist also vorhanden, sich auch mit teils komplexen Themen auseinanderzusetzen.

Hannah Pöhlmann
Redakteurin

Ein Stereotyp von Forscher*innen ist, dass sie eher menschenscheu sind. Wenn man die eigene Forschung an die Öffentlichkeit trägt, muss man damit rechnen Feedback, positives und negatives, zu erhalten. Wie gehen die KlarText-Preisträger*innen damit um?

Michelle Wabnitz
Interviewpartnerin

Menschenscheue Wissenschaftler*innen erleben wir selten. Zum Erkenntnisprozess in der Wissenschaft gehört es, die Ergebnisse der eigenen Forschung in der wissenschaftlichen Community zur Diskussion zu stellen. Leider wird die Diskussion mit der Öffentlichkeit bislang noch zu wenig an den Universitäten gelehrt. Diese kommunikativen Fähigkeiten sind nicht jedem Forschenden in die Wiege gelegt, aber sie lassen sich lernen wie ein Handwerk. Einige Universitäten haben das erkannt und nehmen die Vermittlung dieser Fähigkeiten jetzt stärker in ihre Weiterbildungsprogramme auf.

Hannah Pöhlmann
Redakteurin

Im Wissenschaftsjournalismus werden ab und zu auch Übertreibungen von Fakten in den Medien präsentiert? Wie gehen Sie und die Preisträger*innen damit um, wenn sich wissenschaftliche Forschung in Schlagzeilen verwandelt?

Renate Ries
Interviewpartnerin

Schlagzeilen sind ja nicht per se schlecht. Gute Schlagzeilen sind viel mehr eine hohe Kunst des Journalismus und insbesondere des Wissenschaftsjournalismus. Sie sollen nämlich gerade nicht übertreiben, sondern die Leser*innen kurz und prägnant auf den Inhalt hinweisen und Interesse wecken. Hier müssen sowohl die Forschenden selbst, als auch die Kommunikationsverantwortlichen ihrer Institute und die Journalist*innen daran arbeiten, dass die Nutzer*innen nicht auf die falsche Fährte geführt werden. Je besser Wissenschaftler*innen mit Worten umgehen können, desto eher gelingt ihnen dieses Kunststück. Deshalb unterstützen wir die Preisträger*innen dabei, den schmalen Grat zu meistern – sich also bei höchstmöglicher Korrektheit so klar wie möglich auszudrücken.