Promovieren außerhalb der Universität

Michaela Löffler über ihre Forschung und das Promovieren in der Helmholtz-Gemeinschaft.
Science in HD via Unsplash

OpenD-Redakteurin Alicia Heim im Gespräch mit Michaela Löffler, Doktorandin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Michaela stellt uns ihr Dissertationsvorhaben vor und erzählt, was das Besondere am Promovieren an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung ist und warum sie sich dafür entschieden hat.

Alicia Heim
Redakteurin

Michaela, möchtest du dich und deine Forschungsarbeit kurz vorstellen?

Michaela Löffler
Interviewpartnerin

Gerne, mein Name ist Michaela Löffler und ich bin Geo- und Umweltwissenschaftlerin. Meinen Bachelor habe ich an der TU München und der Ludwig-Maximilians-Universität in einem Kooperationsstudium absolviert, bevor ich für den Master an die Universität Tübingen gewechselt bin. Meine Promotion zu mikrobieller Wasserstoffoxidation habe ich daraufhin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig begonnen. Hier habe ich mich auch der Promovierendenvertretung vor Ort und damit auch den Helmholtz Juniors angeschlossen, welche mich dieses Jahr zu einer von zwei Sprecherinnen gewählt haben.

Alicia Heim
Redakteurin

Dein Dissertationsvorhaben ist Teil eines größeren Projektes – ANGUS II. Welche Ziele hat dieses Projekt und was erforschst du in deiner Dissertation?

Michaela Löffler
Interviewpartnerin

ANGUS II ist ein großes, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) finanziertes und von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel koordiniertes Verbundprojekt und beschäftigt sich mit Nutzungsmöglichkeiten des geologischen Untergrundes. Darunter fällt zum Beispiel die Nutzung des Untergrundes zur Speicherung von Wärme oder Kälte, um Häuser zu heizen oder zu kühlen. Aber auch der sogenannte Power-to-Gas-Ansatz, bei dem überproduzierter Strom aus erneuerbaren Energien, wie zum Beispiel Wind- oder Solarkraft, in energiedichte Gase wie Wasserstoff oder Methan umgewandelt wird. Diese Gase können dann in Flautenzeiten wieder in Energie überführt werden. Dafür müssen diese Gase sicher und ohne Qualitätsverlust gespeichert werden können.
Mein Thema greift hier ein. Ich untersuche, welche Isotopeneffekte beim mikrobiellen Abbau der Speichergase hervorgerufen werden und ob sich diese Analyse stabiler Isotopen eignet, die sichere Speicherung der Gase im geologischen Untergrund zu überwachen. Atome, die sich nur in der Anzahl der Neutronen unterscheiden, heißen Isotope eines Elementes. Bei vielen natürlichen Prozessen, z. B. Diffusion oder Abbau durch Mikroorganismen, kann ein Isotop präferenziell genutzt werden. Dabei verändert sich das Verhältnis des schweren zum leichten Isotop eines Elementes und diese Veränderung können wir messen. Bei einem mikrobiellen Abbau wird in der Regel das leichtere Isotop bevorzugt; demnach würden wir eine Anreichung des schwereren Isotops messen.

Alicia Heim
Redakteurin

Du promovierst an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung. Inwiefern unterscheidet sich diese Art des Promovierens von der Promotion an einer Hochschule?

Michaela Löffler
Interviewpartnerin

Meines Erachtens gibt es derzeit zwei große Unterschiede: 1) Als Doktorand*in an einem außeruniversitären Forschungszentrum oder -institut ist man nicht automatisch in die Lehre eingebunden. Ob das gut oder schlecht ist, muss jede*r für sich selbst entscheiden. 2) Der Organisationsgrad der Doktorand*innen und die Mitsprache am Zentrum oder in der Gemeinschaft. Nicht jede Hochschule hat ein Promovierendennetzwerk, wohingegen es für die Max-Planck-Gesellschaft, die Wilhelm-Gottfried-Leibniz-Gemeinschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft bundesweite, zentrumsübergeordnete Netzwerke gibt: das Max Planck PhDnet, das Leibniz PhDnetwork und die Helmholtz Juniors. Wir Helmholtz Juniors zum Beispiel setzen uns aus Mitgliedern der lokalen Promovierendeninitiativen der einzelnen Helmholtz-Zentren zusammen und treten schon seit mehr als 10 Jahren für unsere Doktorand*innen in der Helmholtz-Gemeinschaft ein. Dafür befragen wir alle zwei Jahre die Doktorand*innen unter anderem nach ihren Arbeitsbedingungen, Familie, Integration und Zufriedenheit. Wir organisieren aber auch gemeinsame Events oder Aktionen, wie etwa unseren „Mental Health Awareness Month“ dieses Jahr im Oktober.
Zusätzlich haben sich diese drei Doktorand*innennetzwerke 2017 zu „N² (N squared) – the network of doctoral researchers‘ networks“ zusammengeschlossen. Als N² vertreten wir die Interessen von derzeit circa 16.000 Promovierenden in Deutschland. Dazu haben wir auch den Fragebogen unserer letzten Umfragen (2019) harmonisiert, sodass wir einen vergleichbaren Überblick über Herausforderungen und Chancen aller Doktorand*innen in unseren Netzwerken bekommen können. Die Einzelberichte sind sehr lesenswert (MPG, WGL, HGF) und ich kann sie jedem nur ans Herz legen.

Alicia Heim
Redakteurin

Aus welchen Gründen hast du dich für eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung entschieden?

Michaela Löffler
Interviewpartnerin

Wie für die Mehrheit der befragten Doktorand*innen auch, war mein Forschungsthema der ausschlaggebende Grund. Es ist eine interdisziplinäre, gesellschaftlich relevante Fragestellung.