Mehr Sichtbarkeit erreichen

Die Doktorarbeit, hinter der ein massiver Aufwand steht, erreicht nur selten Interessierte aus der breiten Öffentlichkeit. Mit OpenD kannst du die Publikation für deine eigene Sichtbarkeit nutzen. Wir haben einen unserer ersten Nutzer nach seiner Meinung gefragt.
Scott Trento via Unsplash

Hallo liebe Leser*innen, wir würden euch gerne Leo vorstellen. Leo ist Klimaforscher, hat an der Uni Hamburg am Institut für Meereskunde promoviert und lebt seit wenigen Monaten in Paris, wo er an einem System zu Klimaprognosen für die nächsten zwei Jahre arbeitet. Seine Dissertation hat er über die Vorhersagbarkeit europäischer Oberflächentemperaturen bis zu zehn Jahre in die Zukunft geschrieben.

Hannah Pöhlmann
Redakteurin

Leo, du hast deine Dissertation bei uns zweitveröffentlicht. Wieso hast du dich dafür entschieden?

Leonard Friedrich Borchert
Doktorand

Dissertationen sind eine wahnsinnige Menge Arbeit. Trotzdem landen sie nach der Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Fachverlag oder bei einer wissenschaftlichen Bibliothek in der Regel in einer Schublade und werden niemals wieder wirklich angeschaut. Dieses Schicksal wollte ich für meine Dissertation verhindern. OpenD bietet meiner Dissertation einen eigenen Onlineauftritt, also verringert sich die Gefahr, dass sie in Vergessenheit gerät. Außerdem bietet sich mir so die Möglichkeit, meine Diss mit Erklärungen für Menschen zu versehen, die nicht so tief im Thema stecken, wie ich. Da Wissenschaft am Ende ein Dienst an der Gesellschaft ist, finde ich die Transparenz, die mir OpenD bezüglich meiner Dissertation bietet, besonders wichtig.

Hat dir die Publikation bei uns die Vorteile verschafft, die du dir erhofft hattest?

Bisher lässt es sich schwer sagen, ob meine Dissertation nun langfristig attraktiver ist und mehr gelesen wird; sie ist ja noch nicht lange online. Ich finde aber, dass meine Arbeit alleine schon durch die grafische und inhaltliche Aufarbeitung von OpenD enorm gewonnen hat, und nun zumindest das Potenzial hat, über einen längeren Zeitraum und von einem breiteren Publikum positiv wahrgenommen zu werden. Alles Weitere wird die Zukunft zeigen…

Du hast selbst das Projekt Let’s Talk, mit dem du Promovierende unterstützen willst, mit Freund*innen gestartet. Außerdem bist du beratendes Mitglied für das N²-Netzwerk Promovierender in Deutschland. Wieso glaubst du, dass Promovierende mehr Unterstützung brauchen?

Weil man als Promovierende*r ganz weit unten in der wissenschaftlichen Hierarchie sitzt. Zudem befindet man sich in der Regel in einem sonst recht untypischen doppelten Abhängigkeitsverhältnis: der oder die Vorgesetzte kann mehr oder weniger uneingeschränkt über die wirtschaftliche und die berufliche Zukunft der Promovierenden entscheiden. Ersteres liegt daran, dass Arbeitsverträge – wenn man denn einen hat – oft mit dem fachlichen Betreuer oder der Betreuerin geschlossen werden, letzteres daran, dass einflussreiche Doktorväter/-mütter einem mit recht wenig Aufwand ohne Weiteres die Karriere verhageln können. Mit dem N²-Netzwerk kämpfen wir für die Rechte Promovierender, um diese und andere Probleme zu lösen, die Situation von Promovierenden zu verbessern, und damit auch die Forschung an sich attraktiver für talentierten Nachwuchs zu machen. Am Ende arbeiten wir daher auch im Sinne der Forschungsorganisationen, die teils noch in veralteten Strukturen gefangen sind.
Das Projekt „Let’s Talk“ entstand aus einer ganz einfachen Idee heraus: Viele Probleme, die während einer Promotion auftreten können, lassen sich in Netzwerken lösen. Leider haben nicht alle Promovierenden solche Netzwerke, teilweise weil sie in Arbeit ertrinken, teilweise weil sie gerade erst am Institut oder in der Stadt angekommen sind. Wir möchten diesen Menschen mit „Let’s Talk“ eine Plattform bieten, mit erfahrenen Promovierenden oder Promovierten in Kontakt zu kommen und über ihre Probleme zu sprechen oder einfach mal ihre Frustration herauszulassen – auf Wunsch auch anonym. Oft ist das der erste Schritt zur Besserung. Übrigens: Auch Promotionsinteressierte können uns ansprechen, um Hilfe bei der Projekt- und Betreuerwahl zu bekommen.

Du bist auch in unserem Beirat. Gibt es etwas, das du zu OpenD anmerken möchtest? Hast du Verbesserungsvorschläge für uns?

Eine Sache, die ich schon häufiger angemerkt habe, bringe ich hier gerne noch mal an: Zumindest in den großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz- oder Leibniz-Gemeinschaft liegt der Anteil an Promovierenden aus dem Ausland bei etwa 50%. Eine Version von OpenD auf Englisch würde auch diesen Menschen die Möglichkeit geben bei euch zu publizieren. Und: so würden die auf OpenD veröffentlichten Dissertationen auch international noch mal viel sichtbarer gemacht.

Das ist sehr gutes Feedback. Vielen Dank, Leo. An einer internationalen Rubrik arbeiten wir gerade tatsächlich.
Wir wünschen dir alles Gute und senden liebe Grüße nach Paris. Bonne journée!