Lies! Die! Promotionsordnung!

Zehn Dinge, von denen du dir einmal wünschen wirst, dass man sie dir zu Beginn deiner Promotion gesagt hätte.

Selbstverständlich ist gar nichts.

Du hast gerade deinen Master mit Bravour bestanden. Die Professorin deines Vertrauens, die dir nicht nur einen Hiwi-Job besorgt hat, sondern auch das Stipendium, das dich ein Semester in Rom hat verbringen lassen, ist begeistert von dir. Du bist selbst begeistert von dir, siehst deine glänzenden Noten und denkst dir: Ist doch klar, dass ich promoviere. Ist es das wirklich? Spätestens in diesem Augenblick solltest du dich fragen, was deine eigentliche Motivation dafür ist, in die Phase der Promotion einzutreten. Ist es Erkenntnisinteresse? Eitelkeit? Oder nur ein Mangel an Ideen, was du sonst mit deinem Leben anstellen könntest? Es gibt viele gute Gründe, eine Promotion zu beginnen. Aber mindestens ebensoviele schlechte.

Nimm nicht die erstbeste Betreuerin.

Natürlich ist es schmeichelhaft, wenn die Professorin, die dich während deines Studiums gefördert hat, fragt, ob du bei ihr promovieren willst. Trotzdem solltest du genauer nachfragen: Wie viele Promovierende hat sie bereits? Auf welche Themen ist sie spezialisiert? Könntest du dir vorstellen, zu einem dieser Themen zu promovieren? So absurd es klingt: Viele Promovierende fühlen sich von ihren Betreuungsperson weder zeitlich noch inhaltlich bei der Promotion ausreichend gut begleitet. Dieser Problematik lässt sich einfach vorbeugen, indem du dir im Vorfeld eine Betreuungsperson suchst, die zum einen genügend zeitliche Kapazitäten für deinen individuellen Betreuungsbedarf mitbringt und zum anderen einen Forschungsschwerpunkt hat, der nahe an deinem eigenen Thema angesiedelt sind. Um eine solche Person zu finden, lohnt es sich, sich auf offene Promotionsstellen anderswo zu bewerben, wie sie etwa auf die Seiten des DAAD eingestellt werden. Gerade wenn du eine wissenschaftliche Karriere anstrebst, solltest du nicht die Mühe scheuen, die Stadt zu wechseln, um dich mit anderen Theorieschulen und Denkrichtungen auseinanderzusetzen.

Denk an deine Karriere – und zwar schon bei der Themenwahl.

Du willst in die Wissenschaft? Klasse, dann ist die Idee, über „die Erfahrung der Existenz als eine diskrete Wahrscheinlichkeit der kontinuierlichen Realität“ zu schreiben, bestimmt eine gute! Falls du aber in Erwägung ziehst, später in die Wirtschaft zu wechseln oder vielleicht sogar selbst ein Unternehmen zu gründen, hilft es, ein praxisnahes Promotionsthema zu wählen. Auch wenn du anstrebst, mit Hilfe von externen Geldgebern zu promovieren – beispielsweise durch ein Stipendium oder in Kooperation mit einem Unternehmen –, ist es empfehlenswert, von Anfang an ein Thema zu wählen, das für externe Institutionen interessant ist.

Geh nicht davon aus, dass deine Promotion sofort finanziert wird.

Es gibt viele Arten, seine Promotion zu finanzieren – über eine Mitarbeiterstelle, ein Stipendium, einen Nebenjob oder auch durch private Rücklagen. Die Wenigsten haben allerdings das Glück, dass der Übergang vom Studium zur Promotion finanziell reibungslos klappt. Beispielsweise bewerben sich viele Uni-Absolventen für ein Stipendium bei den großen Studienförderwerken, aber nur knapp ein Fünftel der Promovierenden bezieht ein solches Stipendium anschließend tatsächlich. Gerade im Fall des Promovierens über ein Stipendium unterschätzen Bewerber häufig die Zeit, die eine Bewerbung dauert. Ein erfolgreiches Exposé zu erstellen kann schon mal ein halbes Jahr oder länger in Anspruch nehmen, dazu kommt die Zeit für Begutachtung und Entscheidung der jeweiligen Stiftung. Schnell sind zwei Jahre ohne finanzielle Förderung ins Land gegangen. Auch wenn es kein Patenrezept gibt, um solche Durststrecken zu vermeiden: Denke auf jeden Fall daran, dass es zu Finanzierungslöchern kommen kann und überlege dir, wie du sie abfedern willst.

Mach dich mit den Programmen vertraut, die du für deine Promotion verwenden willst.

Ob für das Erstellen des Textes, für Literaturverwaltung, Simulationen oder Statistiken – für alles gibt es passende Programme. Mache dir von Beginn an bewusst, welche Programme für deine Promotion geeignet und sinnvoll sind. Und ja, auch wenn es schwer fällt: Benutze sie von Anfang an, um dich mit ihnen vertraut zu machen. Das hilft auch, frühzeitig die Grenzen der Programme zu erkennen und herauszufinden, wo du bessere Lösungen brauchst. Umgekehrt kann es dir auch passieren, dass du aus lauter Technikbegeisterung für deine Zwecke überdimensionierte Programme wählst. Eine geisteswissenschaftliche Arbeit ohne besonders aufwändige Formatierungen mit LaTex zu schreiben ist in den meisten Fällen Overkill (abgesehen davon, dass nicht wenige Verlage überhaupt nicht auf Publikationen eingestellt sind, die in LaTex erstellt wurden).

Beschäftige dich damit, was deine Uni in Sachen Technik und Recherche zu bieten hat.

Die meisten Unis bieten zum Beispiel eine Campuslizenz für Citavi an, bestimmt ist deine auch dabei. Auch oft im Angebot: Microsoft Office, Statistik- und Grafikprogramme oder das aktuelle Windows-Betriebssystem. Und wusstest du, dass deine Unibibliothek meist noch viel mehr kann als schnöde Bücher finden? Sie greift auf Datenbanken, Pressearchive und wissenschaftliche Fachzeitschriften zurück und hilft dir so, passgenaue Artikel zu deinem Thema zu finden. So sparst du Geld, Zeit und Nerven.

Verlier dich nicht.

Irgendwann hast du die wissenschaftliche Mitarbeiterstelle, das Stipendium oder die Finanzspritze durch einen Bildungskredit – und das alles, weil du einem Professor, dem Prüfungsausschuss oder einer Bankangestellten glaubhaft machen konntest, dass du ein absolut perfektes Zeitmanagement hast und sicher in zwei Jahren mit allem fertig sein wirst. Oder auch in drei. Aber wenn du dir jetzt diese Menge an Literatur ansiehst und darüber nachzugrübeln beginnst, dass der Titel vielleicht auch noch wichtig für die Fußnote von Unterkapitel 5.9.7.2 sein könnte, dann könnten es vielleicht doch auch vier Jahre werden … Ein vorzeigbarer Zeitplan ist das eine, sich daran zu halten etwas anderes. Das geht nur, wenn du dir klar machst, dass deine Dissertation weder perfekt werden wird noch perfekt werden soll. Du kannst nicht alles lesen, alles testen und alles wissen, was in irgendeiner Hinsicht für deine Arbeit relevant ist. Also versuch es erst gar nicht. Wenn du dir nicht selbst ein Limit für deine Tätigkeiten setzt, wirst du schnell auf der Suche nach deiner verlorenen Zeit sein.

Sei dir bewusst, dass Krise der Normalzustand in der Promotion ist.

Egal, wie umsichtig du die Entscheidung für Promotionsart, Betreuerin und Thema triffst, sie wird irgendwann kommen: die Krise. Manchmal nur einen Tag lang, verursacht durch eine schlechte Nacht, manchmal kommt sie für Wochen oder Monate. Sie sitzt in dir oder hat mit widrigen äußeren Umständen zu tun, mit Problemen bei der Finanzierung, mit dem rätselhaften Ergebnis deines letzten Experiments. Manchmal äußert sie sich als Angst vor dem weißen Blatt, manchmal in fehlender Konzentration. Aber sie kommt. Je früher du dich mit dem Gedanken anfreundest, desto leichter kommst du damit klar.

Denk nicht, dass es mit der Abgabe der Dissertation schon vorbei ist.

Endlich alles überstanden, denkst du, als du die Exemplare deiner Dissertation im Promotionsbüro ablieferst. Der Spaß mit dem Sektkorkenknallen und dem anschließenden Urlaub auf einer Südseeinsel soll dir an dieser Stelle nicht genommen werden. Nur: Die Abgabe der Dissertation ist in den meisten Fällen nicht der Schlusspunkt deiner Promotionszeit. Danach kommt noch eine Disputation, die mehr oder weniger zeitaufwändig in ihrer Vorbereitung ist und umso anstrengender werden kann, je stärker man sie wegen Jobeinstieg oder ähnlichen Gründen nebenbei absolvieren muss. Zudem muss man in Deutschland seine Dissertation der Öffentlichkeit zugänglich machen. Diese Pflicht kann auf verschiedenen Wegen erfüllt werden. Egal, für welche Art der Publikation du dich entscheidest – das Wissen darum, dass es nach der Abgabe der Dissertation nicht vorbei ist, hilft dir, frühzeitig Kosten einzukalkulieren, die hierbei eventuell auf dich zukommen.

Lies! Die! Promotionsordnung!

Verlass dich nicht auf Aussagen anderer Promovierender bezüglich deiner Promotionsordnung. Such sie selbst auf der Uni-Webseite. Speichere sie dir auf deinem Computer ab. Lies sie sorgfältig. Wirklich. Nicht erst am Ende, wie es diese Liste suggeriert, sondern am besten gleich zu Beginn deiner Promotion. Ein typisches Problem, das sonst zum Ende deiner Promotionszeit auftaucht, ist, dass du nicht mehr weißt, welche der vielen auf der Uni-Webseite zugänglichen Promotionsordnungen für dich gilt. Das ist kein Witz: Die Promotionsordnungen werden so regelmäßig aktualisiert, dass der Zeitpunkt, an dem du dich offiziell an deiner Universität als Promovend anmeldest, oft entscheidend dafür ist, welche Version der Promotionsordnung für dich gilt. Beachte auch, dass es in manchen Unis zwei Promotionsordnungen gibt, die für dich relevant sind: eine Rahmenpromotionsordnung, die alle Promotionen an deiner Universität regelt, und eine Fakultätspromotionsordnung. Die Promotionsordnungen legen unter anderem die formalen Kriterien deiner Dissertation fest, den Abstand, der zwischen Disputation und Publikation liegen darf und die Anzahl der Belegexemplare für die Universität. Falls zur Promotionsordnung Fragen auftauchen, können diese frühzeitig geklärt werden und nicht erst, wenn du in der stressigen Endphase vor der Abgabe steckst.