Erst lesen, dann schreiben

Mit dem richtigen Ratgeber zur richtigen Zeit spart man sich auf dem Weg zum Doktortitel viel Zeit. Ein Überblick über aktuelle Promotionsliteratur.

Das „dennoch“ ist entscheidend

„Vielleicht stellen Sie sich nach der Lektüre unseres Buches die Frage, ob Sie sich dieses Martyrium wirklich antun wollen.“ Mit diesem Satz leiten Gunzenhäuser und Haas das letzte Kapitel ihres Ratgebers ein, das den Titel trägt: „Warum es sich dennoch lohnt zu promovieren.“

Wenn man sich durch die Seiten des Ratgebers blättert, kann einen kurzfristig schon mal der Mut verlassen. Von Familienfeiern, die man während der Promotion besser auslassen sollte, und von emotionalen Krisensituationen ist da die Rede. Schließlich heißt es sogar: „Nach der Promotion sind Sie ein anderer Mensch“. Das ist indes positiv gemeint, wie die Autorinnen klarstellen: „Zum einen tragen Sie einen Titel, der Sie gesellschaftlich aufwertet. Zum anderen haben Sie extremes Durchhaltevermögen und Krisensicherheit bewiesen, Ihre Persönlichkeit weiterentwickelt.“ Das klingt dann doch wieder ganz schön motivierend.

Randi Gunzenhäuser, Professorin für Amerikanistik und Medienwissenschaften an der Universität Dortmund, und Erika Haas, freie Wissenschaftsberaterin, nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Unwägbarkeiten eines Promotionsprojektes geht. Damit erreichen sie Erstaunliches: eine ehrliche Perspektive für alle, die sich mit dem Gedanken an eine Promotion tragen. Selten findet man so unverhohlen und flott geschrieben, welche Schwierigkeiten auf Promovierende zukommen können.

Selbstverständlich bleibt es nicht bei den Skizzen von Problemsituationen. Der Ratgeber zeigt auch Lösungen für die unterschiedlichsten Lebenslagen auf. Der Untertitel des Buches, „Ihr Individueller Weg“, ist dabei Programm. Es werden fünf verschiedene Zielgruppen definiert – vom Doktoranden mit Lehrstuhlstelle über die Stipendiatin hin zum Wiedereinsteiger mit Familie. Damit tragen Gunzenhäuser und Haas den vielfältigen Zugangswegen Rechnung, die heute Menschen zur Promotion führen, und gehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ein. Dieser Ansatz verliert sich im Laufe des Buches etwas, wenn es zu allgemeineren Themen der Projektplanung oder zu Zitieranforderungen geht. Im Kern bleibt die Grundidee, dass Promovieren eine höchstpersönliche Angelegenheit sei, aber erhalten.

Mutmaßlich auch der eigenen Erfahrung geschuldet, werden die Autorinnen nicht müde, zu erwähnen, was Promovieren gerade für Frauen bedeutet. „Vor allem ältere Professoren erwarten immer noch häufig von einer Frau, dass sie sich eher unterordnet als ein Mann. Erfolgreiche Frauen wirken auf manche Männer auch heute noch bedrohlich und dem lässt sich auf rationaler Eben kaum begegnen.“ Solche Überlegungen sollten im Jahr 2018 nicht mehr aktuell sein. Und doch sind sie es. Sich ihrer bewusst zu machen, kann Doktorandinnen helfen – und männliche Leser sensibilisieren.

Ein Ratgeber für die allererste Phase der Dissertation (und davor), der einen in seiner Knappheit und Prägnanz aber sicher auch bis zum Ende der Promotion begleiten kann.

Randi Gunzenhäuser, Erika Haas: Promovieren mit Plan – Ihr individueller Weg: von der Themensuche zum Doktortitel. UTB, 2015.

Ein Wühltisch der Ratschläge

Vier Herausgeber und 120 Autoren – das klingt nach einem Mammutprojekt. In der Tat ist „Erfolgreich promovieren“ mit seinen fast 400 Seiten nicht gerade ein schmales Bändchen geworden. Entstanden im Promovierendennetzwerk „Thesis“, werden hier nicht nur Sachinformationen zur Promotion versammelt, sondern auch Erfahrungsberichte. Der Abschnitt „Betreuersuche“ etwa behandelt zunächst die Fragen, die sich dem angehenden Promovenden stellen, um dann recht zügig eine ganze Reihe von Betreuern zu Wort kommen zu lassen. Manche Hinweise sind dabei durchaus schräg, aber wahrscheinlich effizient. So rät ein Doktorvater: Für den Fall, dass ein Doktorand wenig Einmischung in sein Projekt wünsche, könne er seinem Betreuer das Lesen seiner Entwürfe durch umfangreiche Dokumente und krude Stichwortsammlungen erschweren. Ein erfahrener Politikwissenschaftler konstatiert, dass auch der Doktorvater am Ende der Promotion immer klüger sei als zuvor, wenn es um die Frage der richtigen Betreuung geht. Nicht nur in diesem Zusammenhang, sondern im gesamten Verlauf bemüht sich „Erfolgreich promovieren“, möglichst viele Blickwinkel zu berücksichtigen. Der zumeist lebendige und aufgrund der Vielzahl an Autoren abwechslungsreiche Schreibstil hätte die aus einem Heer an Strichmännchen bestehenden Illustrationen durchaus verzichtbar gemacht.

Man muss sich „Erfolgreich promovieren“ als eine Art Fundgrube vorstellen, aus der sich allerlei für die unterschiedlichen Promotionsphasen ziehen lässt. Promotionsneulinge könnte die Fülle an Informationen aber auch erschlagen. Die unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungsberichte, die sich naturgegeben auch widersprechen, können durchaus mehr Verwirrung stiften, als sie Licht ins Dunkel bringen. Um dem entgegenzuwirken, wird dem Buch ein kleines Glossar mit den wichtigsten Begriffen vorangestellt.

Das Werk setzt auf einen möglichst hohen Grad an Vollständigkeit. So werden auch Themen wie „Promovieren im fortgeschrittenen Alter“ behandelt. Die zweite Hälfte des Bandes versammelt dann sogar noch fachspezifische Informationen, ebenfalls wieder in Form von Expertenmeinungen aus den unterschiedlichen Disziplinen.

Wer nach einem umfassenden Ratgeber sucht, der einem auch bis in die letzten Tage der Promotion begleitet, ist mit „Erfolgreich promovieren“ gut aufgestellt. Damit auch nicht das kleinste Detail dem Zufall überlassen wird, findet sich übrigens sogar eine mehrseitige Anleitung zum Basteln eines Doktorhutes.

Steffen Stock et al. (Hrsg.): Erfolgreich promovieren: Ein Ratgeber von Promovierten für Promovierende. Springer Gabler, 2014.

Selbsterfahrung in Plüsch

„Der Weg zum Doktortitel“ erweckt im Inhaltsverzeichnis den Eindruck, ein klassischer Promotionsratgeber zu sein, der von der Themenfindung über verschiedene Projektphasen hin zum Abschluss der Promotion führt. Und in der Tat finden sich auch einige ganz konkrete Hinweise, etwa zu Finanzierungsmöglichkeiten und Anforderungen verschiedener Förderoptionen. Wer allerdings eine Sammlung von wichtigen Fakten und Informationen rund um den Prozess des Promovierens sucht, ist bei diesem Ratgeber falsch.

Die Autorin Helga Knigge-Illner ist Diplompsychologin und hat als Psychotherapeutin gearbeitet. Das merkt man ihrem Buch auch an. Es wird detailliert auf Fragen der Motivation für eine Dissertation eingegangen, ein anderes Kapitel widmet sich ausgiebig dem Zeitmanagement. Untermalt werden theoretische Behauptungen mit Fallbeispielen, die bisweilen etwas konstruiert wirken. Die Bedeutung eines externen Coachings für Promovierende preist die Dozentin und freie Beraterin Knigge-Illner dann doch etwas zu offensiv an, um dahinter kein Eigeninteresse zu vermuten.

„Der Weg zum Doktortitel“ liest sich wie ein typischer Lebenshilferatgeber, der sich auf verhaltenstherapeutische Ansätze konzentriert. In grau hinterlegten Kästen wird der Leser direkt angesprochen und mit praktischen Tipps versorgt oder zu kleinen Übungen angeregt. Man muss diese Art von Ratgeberliteratur mögen, um für sich einen Gewinn daraus ziehen zu können und nicht genervt das Buch fallen zu lassen. „Halten Sie Ordnung am Schreibtisch!“ ist zweifelsohne ein sinnvoller Rat für alle Lebenslagen – so bahnbrechend neu, dass er einem dringend in einem Ratgeber mitgegeben werden muss, ist er nicht.

Knigge-Illner begreift den Weg zur Promotion auch als einen der Selbsterfahrung und -verwirklichung – und das deckt sich tatsächlich mit der Haltung nicht weniger Doktoranden. Wer auf diesem Weg keinen Schiffbruch erleiden will und sich eine wohlwollende Begleitung wünscht, findet in der Autorin eine zuverlässige Begleiterin. Wer eher nach nüchterner Information sucht, könnte vom teils betulich-mütterlichen Tonfall, den das Buch anschlägt, abgeschreckt werden.

In Sachen Aktualität sollte man eher ein Auge zudrücken: Der Stil ist bisweilen etwas altbacken, und die sehr knappen Hinweise zu technischen Fragen, etwa zu Literaturverwaltungsprogrammen, dürften jemandem, der zuvor schon ein Studium absolviert hat (und das ist ja die Voraussetzung für eine Promotion), kaum etwas Neues erzählen. Dafür wird deutlich mehr Platz auf Schreibmethodik verwendet – und das ist in der Tat eine Problematik, die die meisten Promovierenden irgendwann einmal ereilt.

Ein solider Zweit-Ratgeber mit plüschigem Wohlfühl-Charme.

Helga Knigge-Illner: Der Weg zum Doktortitel: Strategien für die erfolgreiche Promotion. Campus, 2015.

Die erste Hürde

„Wenn ich vorher gewusst hätte, wie schwierig das wird, hätte ich das Promovieren gar nicht erst angefangen!“ Jutta Wergen hat solche Ausrufe bei ihrer Tätigkeit in der Graduiertenförderung immer wieder zu hören bekommen. Das hat sie bewogen, einen Ratgeber zu schreiben. Und tatsächlich ist „Promotionsplanung und Exposee“ ein Buch, das sich an Leute vor und in der ganz ersten Phase der Promotion richtet. Abgabe, Disputation oder Veröffentlichung spielen keine große Rolle.

Wergen möchte Promotionsaspiranten klar machen, worauf sie sich einlassen. Neben praktischen Hinweisen zu Finanzierung und Betreuersuche gibt es auch einen verständlich geschriebenen Abschnitt über Promotionsrecht. Wie wichtig die jeweils gültige Promotionsordnung für den Einzelnen ist, wird hier gebührend betont – ein gewichtiger Punkt, der in Ratgebern gerne mal mit einem kurzen Verweis abgetan wird. Denn wer hier nicht aufmerksam ist und eine Regelung der Hochschule oder des Fachbereichs übersieht – zum Beispiel, welche Fremdsprachenkenntnisse nachzuweisen sind –, kann plötzlich vor einem erheblichen Problem stehen. Das Hauptaugenmerk des Buches liegt auf der Planung, sowohl in inhaltlicher als auch in organisatorischer Hinsicht, und beim Exposé. Aufgrund dieses klaren Fokus bleibt Wergen ausreichend Raum, um detailliert über Strukturen und Arbeitsmethoden zu sprechen.

Ein Exposé ist nicht nur für Stipendienbewerbungen interessant. Aufgrund der steigenden Zahl von Promotionswilligen haben sich auch die Anforderungen an die Projektplanung intensiviert: Reichte früher eine grobe Skizze aus, um die formalen Anforderungen an ein bei der Fakultät einzureichendes Exposé zu erfüllen, ist heute oft eine detailliertere Ausarbeitung vonnöten.

Wergens Ratgeber ist eine gute Hilfestellung, um die erste große Hürde der Promotion zu überspringen. Die Autorin gibt Antworten auf Fragen, die man sich als Promotionswillige oft nicht zu stellen traut. Mit dem fertigen Studienabschluss sollte man doch schließlich wissen, wie so etwas geht, oder? Wergen nimmt den Lesenden die Scheu und führt detailliert durch den Prozess. Dabei verstrickt sie sich auch mal in Widersprüche; ein konsequenteres Lektorat hätte dem Buch gutgetan.

Jutta Wergen: Promotionsplanung und Exposee. UTB, 2015.

Alles ist politisch

Wer schon einmal ein wissenschaftliches Handbuch“ in der Hand hatte, der weiß, dass der Ausdruck nicht von „handlich“ kommt. Auch das „GEW-Handbuch Promovieren mit Perspektive“ ist mit seinen fast 480 Seiten ziemlich massiv.

In dem Sammelband werden denn auch die verschiedensten Themen in Einzelaufsätzen diskutiert. Planung und Finanzierung kommen in der gebührenden Tiefe zur Sprache. Allerdings wird den Themen, die in der Endphase der Promotion auftauchen, mindestens genauso viel Aufmerksamkeit gewidmet: „Internationalisierung“, „Publizieren“ und „Promotion und Beruf“ heißen die abschließenden Kapitel, die sich ausführlich mit Fragen beschäftigen, die sich viele erst nach dem Abschluss stellen, obwohl sie doch eigentlich zur Entscheidungsfindung für oder gegen eine Promotion dazugehören.

Nicht unerwähnt darf die spezifische Herausgeberschaft der Reihe „GEW-Materialien aus Hochschule und Forschung“ bleiben: der Hauptvorstand der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Der Ratgeber hat dementsprechend auch einen politischen oder zumindest doch politologisch-soziologischen Anspruch. „Promovieren und Geschlechterverhältnis“ behandelt nicht nur Frauenförderung, sondern handelt auch davon, welche Rolle Gender bei der Wahl von Thema und Forschungsansatz spielt. Im Abschnitt „Promovieren mit gesellschaftspolitischem Engagement“ wird das Heraustreten aus dem Elfenbeinturm, aber auch über die damit verbundenen Belastungen thematisiert. Erfahrungsberichte und zahlreiche, teils kommentierte Literaturhinweise runden das Gesamtpaket ab.

Trotz der Vielzahl an Texten ist der Ratgeber dank eines offenkundig sorgfältigen Lektorats im Aufbau einheitlich und dadurch gut lesbar. Wer mit dem Gewerkschafter-Grundton kein Problem hat, ist hier gut aufgehoben.

Franziska Grünauer et al. (Hrsg.): GEW-Handbuch Promovieren mit Perspektive. WBV, 2012.