Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht

Fünf Dinge, auf die du in punkto Karriere achtgeben solltest – schon vor deiner Promotion.

Die Promotion bringt vor allem in bestimmten Branchen finanzielle Vorteile.

Dass eine Promotionsphase früher oder später in einer Erwerbstätigkeit mündet, ist hinlänglich bekannt und wird auch durch neueste Zahlen bestätigt. Demnach sind rund 90 Prozent aller Promovierten drei Jahre nach ihrer Promotion erwerbstätig, im Vergleich zu rund 79 Prozent Erwerbstätigenquote in Deutschland. Allerdings gibt es große Unterschiede in den verschiedenen Branchen. Während die Gehaltsdifferenz bei Ingenieuren bei mehr als 12.000 Euro liegen kann, wenn man das Einstiegsgehalt nach dem Master und ein Jahr nach der Promotion vergleicht, liegt die Gehaltssteigerung bei Geisteswissenschaftlern bei nur etwa 5400 Euro jährlich. Wie gut, dass das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung in seinem andauernden Projekt zur Karriere Promovierter herausgefunden hat, dass die meisten Promovierten aufgrund von intrinsischer Motivation geforscht haben und nicht wegen des größeren Gehaltsschecks!

Ein Doktortitel kann auch unpraktisch für die Karriere sein.

Viele Promovierende, gerade in den Geisteswissenschaften, haben Angst, dass sie am Ende überqualifiziert für einen Job in der freien Wirtschaft sind. Die offiziellen Zahlen geben dazu zwar nicht viel her, aber Fakt ist, dass Promovierte bei ihrem Abschluss durchschnittlich 32 Jahre alt sind, damit eher spät in den Beruf einsteigen und zudem ein paar Jahre mehr als ihre nicht promovierten Altersgenossinnen benötigen, um ihren Geldbeutel wieder aufzufüllen. Schließlich ist dieser in der Promotionszeit meist durch prekäre Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft, durch nicht sozialversicherungspflichtige Minijobs oder durch Stipendien, die gerade einmal den Lebensunterhalt abdecken, belastet worden.

Eine wissenschaftliche Karriere klappt für weniger als ein Fünftel der Promovierten.

Eine andere Gefahr ist der Wunsch, dass das schon irgendwie mit der akademischen Karriere klappt: Fast die Hälfte der Promovierenden strebt eine akademische Karriere an, allerdings verbleiben laut dem Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (Buwin) langfristig nur etwa 17 Prozent in einem Beruf, der sich hauptsächlich der Wissenschaft und Forschung widmet. Der Buwin-Bericht zeigt auch, dass sich die meisten Promovierten schon kurz nach der Promotion für eine außerwissenschaftliche Tätigkeit entscheiden. Eigentlich ist die Gefahr, bei einer wissenschaftlichen Karriere auf der Strecke zu bleiben, mittlerweile hinreichend bekannt, dennoch scheint bei Promovierenden der Effekt einzutreten, den Nobelpreisträger Daniel Kahnemann in seinem Buch „Thinking, Fast and Slow“ beschreibt: Obwohl die Zahlen bekannt sind, neigt man dazu, die eigene Situation zu optimistisch und sich selbst als die Ausnahme von der Regel einzuschätzen. Parallel zu einer wissenschaftlichen Karriere sollte man sich in jedem Fall mit Alternativen, wie Jobs in der freien Wirtschaft oder als Unternehmerin (siehe Punkt 5), vertraut machen.

Die eierlegende Wollmilchsau der Einsteigerjobs gibt es auch nach der Promotion nicht.

Laut einer Umfrage des Univativ Journals 2017 sind immerhin 58 Prozent aller Berufsanfängerinnen zufrieden mit ihrem Job. Allerdings heißt das im Umkehrschluss: Knapp die Hälfte sind es nicht. Neben zu geringem Gehalt sind fehlende Aufstiegschancen und Unterforderung die Gründe, weshalb sich immerhin zwei Drittel einen schnellen Wechsel des Arbeitsgebers vorstellen könnten. Speziell für Promovierte gibt es hier keine Zahlen, doch wenn man bedenkt, dass die Promotion nur in bestimmten Branchen finanzielle Vorteile bringt (siehe Punkt 1), lässt sich davon ausgehen, dass eine ähnliche Unzufriedenheit auch bei promovierten Berufseinsteigerinnen vorherrscht. Helfen kann, sich von vorneherein bei größeren Unternehmen auf höhere Posten zu bewerben – dies empfiehlt zumindest eine Broschüre des Wissenschaftsladens Bonn, der spezielle Stellenanzeiger für unterschiedliche Branchen herausgibt. Selbstbewusstsein kann sich also auszahlen, gerade, um der Gefahr von Überqualifizierung auf Einsteigerstellen zu entgehen. In kleineren oder mittleren Betrieben sollte man jedoch damit rechnen, dass der übliche Berufseinstieg, etwa in Form eines Traineeships oder eines Volontariats, genauso wie Masterstudierende durchlaufen und dementsprechend auch Einbußen bei Gehalt oder den Inhalten des ersten Jobs in Kauf genommen werden müssen.

Die Selbstständigkeit während der Promotion ist eine gute Vorbereitung fürs eigene Unternehmertum.

Neben dem Berufseinstieg als Arbeitnehmerin in der freien Wirtschaft oder an wissenschaftlichen Einrichtungen und Universitäten gibt es noch eine dritte Möglichkeit, die allzu oft aus dem Blick gerät: die Gründung eines eigenen Unternehmens. Gerade Promovierte bringen hierfür oft besondere Qualifikationen für die Selbstständigkeit mit: Sie können strukturiert komplexe Sachverhalte angehen und haben während ihrer Promotion Expertise in einem spezifischen Sachverhalt gewonnen. Tatsächlich gibt es zwar Gründerzentren an den meisten großen deutschen Universitäten, die Promovierten werden jedoch selten als eigene Zielgruppe angesprochen. Das ändert sich gerade: Seit Ende 2017 gibt es mit Young Entrepreneurs in Science eine überregionale Initiative, die sich an junge Forschende richtet und diesen Workshops zum Unternehmertum anbietet.